Definition des Begriffs Street-Art

7 03 2010

Übersetzt man Street-Art wörtlich als Straßenkunst, so bezeichnete der Begriff früher eine Vielzahl von Aktivitäten im öffentlichen Raum, die alle Bereiche der Kunst umfassten: Straßenmusik, Straßentheater, Boden-(Pflaster)malerei, … .

Der heute übliche Begriff Street-Art kommt aus den USA und bezieht sich hauptsächlich auf Aktivitäten aus dem Bereich Bildende Kunst, eine einheitliche Definition dafür hat sich bisher nicht durchgesetzt. Gemeinsamkeit aller Street-Art-Varianten ist, dass sie kostenlos zugänglich und außerhalb etablierter Orte der Kunstvermittlung anzutreffen sind. Der Begriff umfasst also den weiten Bereich visueller künstlerischer Arbeit im öffentlichen Raum und bezieht sowohl offizielle, als auch inoffizielle Formen der Kunst mit ein.

Von der offiziellen Verhüllung des Reichstags in Berlin bis zum inoffiziellen Sticker am Stromkasten: Street-Art-Künstler arbeiten mit unterschiedlichen Techniken und aus individuellen Motiven. Für einige ist es die Entwicklung einer eigenen grafischen Sprache, für andere die aktive ästhetische Mitgestaltung des Stadtbilds, wieder für andere eine Möglichkeit, ihre weltanschaulichen oder privaten Meinungen zu veröffentlichen. Direkte Vorgänger der heutigen Sticker sind die Münchner „Klebies“ der späten 1980er-Jahre – Writer begannen damit,  ihre Tags auf Adress-Etiketten zu schreiben und an öffentlichen Orten zu kleben.

Die bekanntesten traditionellen Formen der Street-Art sind Pflaster/Bodenmalerei und Fassadengestaltung mit meist gesellschaftskritischen Wandbildern (murals). Anfang der 1980er-Jahre etablierten sich zunehmend auch Schablonengraffiti in den Städten. Der Franzose Blek Le Rat (Xavier Prou, geb. 1951) sprühte lebensgroße Figuren und nannte seine Bilder nach der angewandten Technik: „Pochoirs“ – „Schablonen“ – siehe: http://graffitieuropa.org/news/133.htm . Von Paris aus vergrößerte sich die Bewegung der „Pochoiristen“, die sich, anders als die Sprayer/Writer, verstärkt als Künstler betrachten. Ihre Figuren oder Schriftzüge, auch „Stencils“ genannt, wirken meist wohl bedacht und räumlich ins Stadtbild integriert. Dies ist generell ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Street-Art und ein Grund dafür, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung relativ hoch ist.

Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel (geb.1960), bekannt als Bananensprayer, nützt die Schablonen-Technik zur Markierung besonderer Orte der Kunstvermittlung. Seine Banane wird bei den Ausgezeichneten – Galerien, Museen – als Ehre empfunden. Auch die kostenlosen – tausendfach verbreiteten – pflückbaren „Zettelgedichte“ des Wiener Literaten Helmut Seethaler (geb. 1953) und künstlerische Graffiti-Pieces, die an den „walls of fame“ der großen Städte zu finden sind, werden dem Bereich Street-Art zugerechnet.

Ab 2000 erweiterten sich die Spielarten der Street-Art sprunghaft, das Kleben und Posten wurde zu einer Massenbewegung, an der heute zehntausende junge Menschen beteiligt sind. Neben den markant gesprayten Pieces prägen heute diverse Postings und Affichements, Cut-Outs und Sticker das Stadtbild. Immer häufiger zeichnen und sprühen Künstler und auch Writer ihre Tags, Styles und Motive auf Aufkleber und Plakate, die unkompliziert, gefahrlos und Zeit sparend im Stadtbild angebracht werden – Devise: „stick it“, „alles klebt“. Beliebtestes Trägermaterial für die Motive sind die kostenlos erhältlichen Adress-Kleber der deutschen und österreichischen Post. Die Künstler und Aktivisten selbst bleiben im allgemeinen anonym, bekannte Namen in Deutschland sind „TOWER“ und „LINDA“, in Österreich „SIGLA“ und „BUSK“.

Sticker, Aufkleber, Pickerl, Klebies, … haben eine lange Tradition als (halb-)offizielles Medium, und werden gerne auch von etablierten politischen Parteien im Wahlkampf genützt, ebenso als Werbeträger für kommerzielle Angebote. Diesem Randbereich der legalen Kommunikation gehören auch die sogenannten „wilden Plakate“ an.

Ordnungswidrigkeit oder Sachbeschädigung?

Manche Arten der Street-Art sind völlig legal. Etwa wenn sie im Auftrag von Stadtverwaltungen angefertigt werden oder an dafür gewidmeten Flächen, wie den „walls of fame“ der Sprayer-Kultur. Der größte Teil der Street-Art entsteht jedoch „unbeauftragt“ an Flächen, die sich in fremden Besitz bzw. in öffentlicher Verwaltung befinden. Ob diese Formen geahndet werden, richtet sich nach Art und Ort der Anbringung, nach Inhalt und Auffälligkeit. Meist bleiben wildes Plakatieren und Stickerkleben folgenlos oder werden als Ordnungswidrigkeit angezeigt und gewertet. Nach der Verschärfung der Paragraphen StGB 303 und 304 in D gilt schon das unbefugte verändern des Erscheinungsbildes einer fremden Sache (nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend) als Sachbeschädigung.

-> http://www.graffitieuropa.org/streetart1.htm

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